Ein kleiner Schritt auf einem weiten Weg

Der Oberwiler Hürdensprinter Jason Joseph erlebte dieses Jahr mit der Goldmedaille an den U20-Europameisterschaften und mehreren aufgestellten Rekorden einen Höhepunkt nach dem anderen. Mit den Erfolgen begann auch der Rummel um seine Person.

Das hier, das ist meine Familie.

Jason Joseph
Hürdenläufer LC Therwil

Jason Joseph schnappt sich eine Hürde und posiert lässig fürs Foto. Die Kinder, die daneben gerade ihr Hürdentraining absolvieren, lächeln verlegen. Alle beim LC Therwil kennen Jason und wissen um seine Erfolge in diesem Jahr. Trotz aller Medaillen und Rekorde ist er der umgängliche und stets freundliche Typ geblieben. «Das hier, das ist meine Familie» und zeigt mit dem Finger auf die Kinder und Trainer, die an diesem Abend auf dem Sportplatz Känelmatt in Therwil trainieren. Jason ist einer von ihnen. In ihrem Alter war Jason ein lauter, manchmal frecher Junge, der den Trainern auch mal dazwischenredete, gibt er heute etwas verlegen zu. Doch die Trainer konnten das Temperament des Oberwilers bändigen und forderten das Jungtalent zunehmend sportlich heraus.

Auf dem Boden geblieben
Mit der Goldmedaille an den U20-Europameisterschaften über 110 Meter Hürden in Grosseto (Italien), dem Schweizermeistertitel in der gleichen Disziplin und über 100 Meter, der Verbesserung der Schweizer Rekorde draussen und in der Halle bei den unter 20-Jährigen und dem neuen Baselbieter Rekord bei der Elite hat Jason Joseph 2017 gleich mehrere Ausrufezeichen gesetzt. Leichtathletikexperten trauen dem Oberwiler viel zu. Er selber drückt auf die Euphoriebremse. «Später interessieren die Erfolge bei den Junioren niemanden mehr. Bis an die Spitze der Elite ist es ein weiter Weg. Bis jetzt habe ich einen kleinen Schritt dorthin gemacht.»

Technisch anspruchsvoll
Dass der 19-Jährige gerade mal vor sieben Jahren mit der Leichtathletik begann und er das Hürdenlaufen zuerst überhaupt nicht mochte, unterstreicht sein Talent und Potenzial. Der Hürdensprint ist eine technisch anspruchsvolle Disziplin. Krafttraining im Fitnessstudio gehört neben dem Technik-, Lauf- und Starttraining auf der Bahn ebenso dazu. «Schau dir die Beine der Weltspitze an», sagt er mit einem Lachen und zeigt dabei auf seine Unterschenkel. «Da habe ich noch viel zu tun.»

Die Leistungssport-Kommission von Swiss Athletics hat im Hinblick auf die Saison 2018 Jason Joseph ins Förderprogramm World Class Potentials aufgenommen.

Mutter ist nun die Managerin
Seit dem Schweizer U-20-Rekord im Juni in Zofingen und dem Goldgewinn im Juli hat sich das Leben von Jason Joseph verändert. Anfragen von Medien und Sponsoren nahmen schlagartig zu. «Gefühlt jede und jeder will etwas von mir wissen. Das ist irgendwie schon toll.» Um Jason etwas zu entlasten, übernahm Mutter Susan Gross das Management und koordiniert die Termine. Sie kenne seinen Zeitplan sowieso besser als er, scherzt Jason. Die Schule soll unter dem Stress nicht leiden. In der Sportklasse der Wirtschaftsmittelschule
(WMS) in Reinach wird auf sein Training und die Wettkämpfe Rücksicht genommen. Den ganzen Schulstoff durchläuft er in fünf statt wie normal in vier Jahren.

Karibische Wurzeln
Die Zeit mit der Familie gibt ihm Kraft und Energie. Vor allem die Mutter war schon immer eine enge Begleiterin in seinem sportlichen Leben. Jason Joseph verspürt ihr gegenüber sehr viel Dankbarkeit für alles, was sie für ihn tat und noch immer tut. «Was meine Mami alles in mich hineingesteckt hat, ist wahnsinnig. Und das ist keinesfalls nur Geld, sondern all die Zeit, das Verständnis und die Liebe. Schon nur das ist Ansporn genug, um alles zu geben.» Die karibischen Wurzeln hat Jason Joseph von seinem Vater. Und diese sind ihm sehr wichtig. «Ich spüre eine enge Verbundenheit mit der Karibik und den Wurzeln meines Vaters. Leider war ich seit Jahren nicht mehr dort.» Das will er unbedingt nachholen. Denn Jason ist einer, der weiss, woher er kommt und wem er etwas zu verdanken hat. Ob beim LC Therwil oder bei seinen Eltern.