Entwicklung immer beeindruckender

Josephs Entwicklung wird immer beeindruckender.

Jason Joseph ist längst kein Geheimtipp mehr. Im letzten Jahr gewann er den EM-Titel beim U20-Nachwuchs, lief über die 110 m Hürden die weltweit zweitschnellste Junioren-Zeit. Die Sporthilfe belohnte ihn mit der Auszeichnung «Schweizer Nachwuchssportler des Jahres» und der Leichtathletik-Verband beförderte ihn ins exklusive Förderprogramm «World Class Potential».
Trotz aller Vorschusslorbeeren überrascht der 19-jährige Baselbieter aus Oberwil derzeit wieder einmal gewaltig. Es ist sein erstes Jahr über die «richtigen» Hürden, die rund 7 Zentimeter höher sind als bei den Junioren. Normalerweise benötigt die Umstellung ihre Zeit. Nicht so bei Joseph. Der 1,92 m grosse Modelathlet läuft von Bestleistung zu Bestleistung. Vor dieser Saison lag sein persönlicher Rekord bei 13,93, am Samstag in Bern stoppten die Uhren bei unglaublichen 13,46. Neue Schweizer U23-Bestleistung, lediglich fünf Hundertstelsekunden fehlen zum nationalen Rekord von Andreas Kundert. Eine Frage der Zeit, bis er auch diese Marke knackt.

Wer Joseph mit seinen langen Beinen elegant über die Hürden «fliegen» sieht, erkennt schnell, dass hier ein Athlet am Werk ist, der in Zukunft auch bei der Elite internationale Erfolge feiern kann. Die Limite für die Europameisterschaften Anfang August in Berlin (13,85) hat er längst im Sack.

 

Er denkt an seine Eltern
Joseph freut sich riesig über seine Entwicklung und den Sieg in Bern: «Was für eine Zeit, es ist krass. Dabei war der Lauf nicht optimal, die siebte Hürde habe ich touchiert.» Noch mehr Zufriedenheit verspürt der kaufmännische Gymnasiast, der in zwei Jahren die Berufsmatur abschliessen will, dass «ich meinem Team damit etwas zurückgeben kann». Neben seinen langjährigen Trainern Philipp Schmid und Claudine Müller denkt er dabei in erster Linie an seine Mutter Susan Gross und seinen Vater Zephirin Joseph.

Der sportliche Familienbetrieb läuft auf Hochtouren. Der Sohn rennt, die Mutter kümmert sich um das Management und die Administration, der von der Karibikinsel St. Lucia stammende Vater konzipiert das Krafttraining und wirkt als Masseur. «Bei uns stimmt die Chemie. Meine Eltern haben so viel Energie und Zeit in meine Karriere investiert. Es ist ein mega schönes Gefühl, ihnen mit meinen Leistungen etwas zurückgeben zu können.»

Was für eine Zeit, es ist krass. Dabei war der Lauf nicht optimal, die siebte Hürde habe ich touchiert.
Jason Joseph
Hürdenläufer LC Therwil
Der Baselbieter Jason Joseph (Mitte) rennt beim Citius-Meeting in Bern so schnell wie noch nie und bezwingt die internationale Konkurrenz.
Der Start ist die grösste Schwäche
Doch wo liegen Jason Josephs Grenzen? Er wisse es nicht, sagt das 19-jährige Supertalent. «Wir müssen erst noch herausfinden, wie weit es geht.» Als Stärke nennt er seine ausgesprochene Freude am Sport. «Ich stehe nicht verbissen am Start.» Das soll auch bei der EM in Berlin so sein. Der bisherige Karriere-Höhepunkt steht jetzt im Fokus. Joseph absolviert dafür in den nächsten Wochen nochmals einen gezielten Aufbau. «Vor allem bei meinem Start wollen wir voll dahinter. Er ist noch die grösste Schwäche.»

Und dabei hoffen, dass der junge Baselbieter in der Laufdisziplin mit der grössten körperlichen Verschleissgefahr auch in Zukunft gesund bleibt – etwa dank regelmässigem Wassertraining. Dass der Körper ab und zu schmerzt, ist nicht zu verhindern. «Wenn es wehtut, behalte ich das in der Regel für mich. Das gehört einfach dazu. Der Schmerz macht mich letztlich nur stärker.»

Alex Wilsons Schweizer Rekord: Erst die Vorspeise
Für Jason Joseph ist er «ein grosses Vorbild»: Sprinter Alex Wilson. Nur Minuten nach dem Lehrling über 110 m Hürden stösst auch der unbestrittene Meister der Schweizer Sprintszene am Citius-Meeting in Bern über 200 m in neue Dimensionen vor.

Wilson gewinnt in 20,26 Sekunden und verbessert damit bei seinem zweiten Schweizer Auftritt in diesem Sommer zum zweiten Mal den nationalen Rekord – trotz leichtem Gegenwind. «Ziemlich gut für den derzeitigen Formstand», sagt Wilsons britischer Trainer Clarence Callender, der den 27-Jährigen in den letzten Tagen in Basel auf seinen Einsatz vorbereitet hat. Ab heute Dienstag trainiert Wilson wieder in Callenders Sprintergruppe in London.

Trainer und Schützling sind sich trotz Rekord einig: Es geht noch einiges schneller. «In den nächsten Wochen werden wir gezielt an der Technik und an der Schnelligkeit feilen», sagt Callender, «alles ist auf die Europameisterschaft in Berlin ausgerichtet». Der 57-Jährige ist überzeugt von Wilsons Fähigkeiten, auch wenn er sagt: «Alex ist punkto Betreuung ein anspruchsvoller Athlet. Aber er ist körperlich so stark wie noch nie.»