Garantiert der schnellste «Schnägg» über die Hürden

Oberwil heisst im Volksmund bekanntlich «Schnäggedorf».

Schnecken gelten ja nicht gerade als Schnellläufer – aber es gibt keine Regel ohne Ausnahme. Denn in der Metropole des Birsig- und Leimentales wohnt ein charismatischer Sportler, der förmlich über die Hürden fliegt.

In eriner normalen Schulwoche, trainiere ich sieben oder acht mal.
Jason Joseph
Hürdenläufer LC Therwil

Aufmerksame Leser und Sportfreunde wissen längst, um wen es sich handelt. BiBo hat in der Ausgabe 30 vom 27. Juli 2017 auf der Seite 11 im Sportteil gross getitelt: Ein Oberwiler Therwiler gewinnt EM-Goldmedaille. Es war am Samstag, 22. Juli, als Jason seiner Favoritenrolle gerecht wurde und als Erster nach 110 Metern (gespickt mit Hindernissen in Form von Hürden) die Ziellinie passierte. In einer Zeit von 13,41 Sekunden. Die allerwenigsten Menschen können diese Zeit über 100 Meter flach laufen …
Jason Joseph wünschte, dass dieses Interview im Teil Oberwil erscheint; laufen tut er für den LC Therwil, wo er sich bestens aufgehoben, betreut und gefördert fühlt. Und an dieser Stelle sei noch der Einstieg ins Interview erklärt. Der Chefredaktor des BiBo war einst während zwölf Jahren auch für das «Joggeli Magazin», die Kult-Stadionzeitung des FC Basel, zuständig.

Und es war im Juli 2007, vor einem Heimspiel des FCB gegen den FC Zürich, als in der Rubrik «People» ein Junge, der Fussball spielte (bei Old Boys übrigens), sich im FCB-Trikot für ein Interview stellte. Es war «Klein»-Jason, sieben Jahre alt. Und was in diesem Jahrzehnt alles passiert ist, lesen Sie im folgenden Interview.

BiBo: Erinnern Sie sich noch an ein Interview vor zehn Jahren im «Joggeli Magazin», der damaligen  Stadionzeitung des FC Basel?
Ganz schwach. Ich weiss zwar, da war mal was, was genau, daran erinnere ich mich nicht mehr.

Damals wollten Sie Fussballprofi werden. Als Alternative stand Basket-Profi, natürlich mit Endziel NBA, an … wann erfolgte der Wechsel in die Leichtathletik?
Als man bemerkte, dass ich kein Teamsportler bin, war der Traum, Fussballprofi zu werden, geplatzt. Den Basketball-Traum verfolgte ich nie wirklich. Dann, vor sechs Jahren am Schulsporttag, hat mein Klassenlehrer mich als so talentiert eingestuft, dass er ein Treffen mit dem LC Therwil vereinbarte. Und wie das endete, sieht man ja.

Wie sieht eine «normale» Trainingswoche aus? Die Belastung «Spitzensport und Schule» ist ja immens. Wie bewältigen Sie dieses Pensum?
In einer normalen Schulwoche trainiere ich sieben oder acht Mal. Ich besuche die Sportklasse der WMS Reinach, wo die Trainingsfenster optimal auf uns Leistungssportler abgestimmt sind. Nebst Training, Schule und Lernen versuche ich, in meiner wenigen Freizeit Dinge zu unternehmen, die mir Freude bereiten und mir so den Ausgleich geben.

Sie laufen weiterhin für den LC Therwil. Was zeichnet diesen Verein aus? Und gibt es in der Leichtathletik, analog zum Fussball, dass Grossklubs die besten Leute von «Landvereinen» abwerben  wollen?
In diesem Verein absolvierte ich mein erstes Probetraining. Der LC Therwil entwickelte sich über die Jahre zu einer Familie, welche ich nicht verlieren möchte. Natürlich hat es Vereine wie Old Boys Basel, welche ein grösseres Pensum an guten Athleten haben. Doch für mich spielt dies keine Rolle, denn es geht nicht um den Namen des Clubs, sondern um jene Menschen, welche mich auf meinem vergangenen und zukünftigen Weg nach vorne unterstützen und begleiten.

Haben Sie nationale oder internationale Vorbilder? Das müssten fast zwangsläufig ja Hürdenläufer/-sprinter sein?
Naja, man sieht die Leute am Fernseher und denkt sich: Wow, so schnell möchte ich auch einmal sein. Doch explizite Vorbilder habe ich nicht. Ich probiere, mich selbst zu motivieren, um das beste «Ich» zu werden.

Ärgert Sie die Frage nach Doping in der Leichtathletik? Könnten verbotene Substanzen in Ihrer Disziplin auch Leistungssteigerungen bewirken?
Nein! Ich denke, dass die Dopingfrage in jedem Sport präsent ist und man sich damit abfinden und vor allem auch auseinandersetzen muss. Ja, auch in meiner Disziplin könnte man leistungssteigernde Substanzen einnehmen.

Haben Sie sich für das Jahr 2018 konkrete Ziele und Zeiten gesetzt?
Im Jahr 2018 möchte ich an der Aktiv-Europameisterschaft (EM) in Berlin teilnehmen. Die Limite für diese EM ist 13.75 auf den hohen respektive Original-Hürden. Diese Zeit will ich mit Sicherheit erreichen. Alles, was darunter liegt, nehme ich mit Freude an.

Verfolgen Sie den Fussball, und eventuell Basket, weiterhin? Vor zehn Jahren war Ronaldinho (damals beim FC Barcelona) Ihr Lieblingsspieler. Und heute?
Nein, nicht wirklich. Man hört grosse Namen wie Cristiano Ronaldo, Lionel Messi, Renato Sanches oder gar Breel Embolo (Anmerkung der Redaktion: war auch in Oberwil wohnhaft), doch ich verfolge es nicht aktiv. Im Basketball verhält es sich gleich.

Es ist mir ein grosses Anliegen, Jason und seiner Mutter (Merci, Susan) für das Gespräch zu danken. Und BiBo weiss, dass der U20-Europameister in diesen Tagen/Wochen in den wohlverdienten Ferien weilt. Gute Erholung von Schule, Training und Spitzensport. Und wir werden den weiteren Werdegang von LCTHürdenläufer Jason Joseph weiterhin aufmerksam verfolgen und wünschen ihm viele verletzungsfreie Jahre und sportlichen Erfolg

Ein Bericht von BiBo – Georges Küng