Jason Joseph war der Überflieger beim Zofinger Pfingstmeeting

Jason Joseph (LC Therwil) setzt dem 43. Pfingstmeeting in Zofingen mit zwei starken Auftritten über die 110 m Hürden den Stempel auf. Auch Lokalmatador Jan Hochstrasser aus Safenwil vermag mit seinem Sieg über die 800 m zu überzeugen.

Beim 43. Pfingstmeeting in Zofingen gehörte die Bühne dem Nachwuchs – allen voran Jason Joseph. Bereits zu Beginn des Meetings sorgte der 19-jährige Baselbieter über die 110 m Hürden für ein Ausrufezeichen, als er mit 13,78 Sekunden unter der Limite für die Europameisterschaften von Anfang August in Berlin blieb.

Ich hatte das Gefühl, dass ich geflogen bin.

Jason Joseph
Hürdenläufer LC Therwil

Damit bestätigte Joseph seine starke Frühform, denn das EM-Ticket hat er mit der gleichen Zeit schon vor einer Woche bei seinem ersten Saisonrennen unter freiem Himmel in Basel gelöst.

Doch damit nicht genug: Wenig später doppelte der Läufer des LC Therwil in Zofingen auf beeindruckende Weise nach. Bei 13,54 Sekunden – nur 13 Hundertstel über Andreas Kunderts Schweizer Rekord von 2008 – blieb die Uhr stehen, als Jason Joseph die Ziellinie zum zweiten Mal überquerte. Die Ernüchterung folgte kurz darauf, als bekannt wurde, dass der Rückenwind zu stark war.

Das Gefühl des Fliegens
Seine Laune vermochte dies nicht zu trüben. «Ich hatte das Gefühl, dass ich geflogen bin», sagte Joseph zu seinem zweiten Auftritt in Zofingen. Trotz des Rückenwinds sei der Lauf im Grossen und Ganzen super gewesen. «Ich bin definitiv zufrieden», meinte der U20-Europameister des vergangenen Jahres. Das sah nach dem ersten Rennen noch anders aus, als Joseph seine Enttäuschung beim Zieleinlauf kundtat. «Ich dachte, es geht noch schneller», erklärte der talentierte Hürdensprinter – was er danach auch bewies.

Nicht nur der Resultate in Zofingen wegen blickt Jason Joseph dem weiteren Saisonverlauf gelassen entgegen. Dank der früh erfüllten EM-Limite kann er sich nach den geplanten Wettkämpfen in Basel und Weinheim (De) in aller Ruhe einem soliden EM-Aufbau widmen. Schliesslich will der Auftritt im Scheinwerferlicht wohl dosiert sein. «Das Interesse an mir ist schön, aber mit Vorsicht zu geniessen», sagte Joseph. Man dürfe sich nicht zu stark unter Druck setzen oder die Leute zu nahe ran lassen. «Ich muss ja weiterhin meine Leistung bringen und darf mich davon nicht zu sehr ablenken lassen.»

Neben Jason Joseph wussten weitere Nachwuchsathletinnen und -athleten im Stadion Trinermatten zu glänzen. William Reais (BTV Chur, 200 m), Ricky Petrucciani (LC Zürich, 200 m) und Larissa Bertényi (LC Brühl 100 m Hürden) knackten die Limite für die U20-WM in Tampere (Fi). Melissa Gutschmidt (Lausanne-Sports, 100 m) und Lena Wernli (LC Zürich, 200 m) qualifizierten sich für die U18-EM in Györ (Un).

Gelungene Standortbestimmung
Bereits ein Profi im Umgang mit den Medien ist Jan Hochstrasser. Der 29-jährige 1500-m-Läufer aus Safenwil nutzte das Pfingstmeeting nach einem dreiwöchigen Höhentrainingslager in Flagstaff (USA) für eine Standortbestimmung über 800 m. Diese fiel mit 1:50,86 Sekunden angesichts der Umstände zufriedenstellend aus. «Am Anfang der Saison macht es Sinn, kürzere Distanzen zu laufen», erklärte Hochstrasser, der bei Rennhälfte die Initiative ergriff und problemlos gewann. «Ich hatte in den USA viel Basisarbeit gemacht und bin längere Strecken gelaufen. Heute wollte ich unten ‹durchputzen› und hoffe, dass der nächste Lauf über 1500 m etwas einfacher wird», so Hochstrasser weiter.

Sein souveräner Auftritt überrascht insofern, weil sich das Mitglied des BTV Aarau noch immer von der 24-stündigen Heimreise erholt. «Nach dem Höhentraining ist es immer ein Ausprobieren, aber ich habe mich gut gefühlt», sagte er und ergänzte: «Mein Weg stimmt.»

Für Jan Hochstrasser war es eine Heimkehr im doppelten Sinn. Erstmals seit 2011 ist das frühere Mitglied des organisierenden TV Zofingen Leichtathletik wieder beim Pfingstmeeting am Start gestanden. «Für mich ist es immer ein Zurückkommen. Ich habe hier als Kind mit der Leichtathletik angefangen und meine Runden gedreht – damals wahrscheinlich weniger gern als heute», erzählte Hochstrasser schmunzelnd. Er genoss es sichtlich, vor Familie und Freunden zu rennen. «Ich bin so viel im Ausland, da ist es umso schöner, wieder einmal zuhause laufen zu können», sagte Hochstrasser.

Geglückte Hauptprobe
Zufrieden zeigte sich auch Peter Brühlmann. Der Präsident Meetingorganisation des TVZLA sprach von einer geglückten Hauptprobe für die Schweizer Meisterschaften der Aktiven, die am 13. und 14. Juli ebenfalls in Zofingen ausgetragen werden. «Wir sind von den Anlagen her gut aufgestellt, alles funktioniert. Auch die Helfer haben eine tolle Arbeit geleistet», lobte Brühlmann, der die erfüllten Limiten zu seinen Höhepunkten zählte.

Einziger Wermutstropfen seien die Absenzen der nationalen Aushängeschilder gewesen. «Weil die Schweizer Meisterschaften hier stattfinden, habe ich schon gehofft, dass einige Athletinnen und Athleten vorbeikommen und die Anlage testen», sagte Brühlmann.

Mit Cornelia Halbheer war immerhin eine Teilnehmerin der letztjährigen WM in London im Einsatz. Die 25-jährige Kurzsprint-Spezialistin der LV Winterthur zeigte sich mit ihren 11,54 Sekunden über 100 m zufrieden, blieb aber im 200-m-Rennen in 24,07 mehr als eine halbe Sekunde über der angestrebten EM-Limite.