Reifeprüfung mit ein paar Makeln

Jason Joseph gewinnt die Hallen-Meisterschaft – mit ein wenig Enttäuschung

Jason Joseph verteidigte an den Hallen-Meisterschaften seinen Titel souverän. Er konnte mit einer super Zeit seine persönliche Bestzeit um eine Hundertstelsekunde verbessern. Ein wenig enttäuscht hat er sich trotzdem gezeigt.

7,70 Sekunden waren über die 60 m Hürden als Limite gefordert für die Leichtathletik-Hallenweltmeisterschaften vom ersten März-Wochenende in Birmingham. Und diese Zeit verpasste Jason Joseph knapp, um 12 Hundertstel im Halbfinal, um 7 im Final.

Die Enttäuschung aber hielt sich in Grenzen. Vielmehr empfand der erst 19-Jährige das Geleistete als Bestätigung für das Prognostizierte, Gefühlte. «Insgesamt glückten mir zwei gute, sehr zufriedenstellende Rennen.» Um eine Hundertstelsekunde senkte er seine persönliche Bestmarke. Die letztjährige Meisterzeit verbesserte er um 17 Hundertstel. Und dass es für den U20-Europameister des letzten Sommers nicht klappte mit dem WM-Minimalwert, sah er sogleich erklärt: Joseph touchierte bereits die erste Hürde im Finalrennen. Dass er den besser gestarteten und ebenfalls mit der Limite liebäugelnden Brahian Pena sicher abfing, bestätigte ihn zusätzlich.

Insgesamt glückten mir zwei gute, sehr zufriedenstellende Rennen
Jason Joseph
Hürdenläufer LC Therwil

Priorität Sommer

Und Auswirkungen auf sein nächstes Arbeiten und die Schwerpunktsetzung hätte die unterbotene Limite sowieso nicht gehabt. Die Teilnahme an dieser Hallen-WM hatte nie zur Diskussion gestanden. Im Fokus steht der Aufbau auf die Sommersaison, und diesen hätte dieses Hallen-Zwischenspiel wenn nicht eingeschränkt, so zumindest verzögert. Und noch etwas unterstreicht diese Gewichtung: Erst am Vortag war er aus dem Trainingslager in Portugal heimgekehrt.

«Den Kompromiss WM wollten wir nicht eingehen», sagt Joseph. Er hat durch den Grosserfolg im vergangenen Juli in Italien einen neuen Status erreicht. «Die Junioren-EM war ein grossartiger und toller Schritt, ein Schritt aber auf dem langen Weg nach vorn.» Der internationale Einstand bei der Elite soll im nächsten August bei den Europameisterschaften in Berlin erfolgen.

Von der Entwicklung überrascht

Dieses Vorhaben nehmen Joseph und seine Betreuer auch im Wissen in Angriff, dass die zweite Saisonhälfte im vergangenen Sommer nicht mehr wunschgemäss geglückt war. «Ich geriet damals in ein Loch», blickt Joseph zurück. Erstaunlich gewesen war dies nach den fulminanten Vorwochen mit dem Grosserfolg und den glänzenden Zeiten indes keineswegs.

Auch für Heimcoach Schmid nicht: «Vom Talent Jasons und seinen Möglichkeiten wussten wir schon lange, aber dass es so schnell derart extrem laufen würde, hat uns alle überrascht». Da kam eine kurze Verschnaufpause nicht ungelegen. Dieser Hintergrund soll auch die nächsten Monate prägen. «Wir optimierten weiter», sagt Coach Schmid.

Ein vielversprechendes Gesamtkonzept

An spielt er mit der Aussage auf die Trainingsimpulse im vertrauten Umfeld. Um ein Umfeld handelt es sich, das breit aufgestellt ist und dessen Einzelteile ineinandergreifen sollen. So trainiert Jason bei Schmid wie im Nationalen Leistungszentrum unter der früheren Hürdensprinterin und Siebenkämpferin Claudine Müller.

Wichtig sind ebenso der Menataltrainer und der Einbezug der Familie mit dem Vater als Spezialist für die Regeneration und der Mutter, die das Management und die Medienbelange pflegt. «In dieser Hinsicht haben wir ein vielversprechendes Gesamtkonzept erarbeitet», sagt Schmid. Entscheidend dabei, dass auch der Austausch und das Aufeinanderabstimmen zwischen Sportklasse und Trainingszentrum funktionieren.

Ein Bericht von BZ Basel – Jörg Greb